Exnovation – Die Notwendigkeit des Lassens
Veränderung wird – gerade im kirchlichen Bereich – oft als Hinzufügen von Neuem verstanden. Es werden neue Formate und Angebote entwickelt, die zusätzlich zu Bestehendem gestemmt werden müssen. Dies führt unweigerlich zu einer Überlastung der Systeme – und ganz besonders der Mitarbeitenden, ob ehrenamtlich oder hauptamtlich.
Damit eine umfassende Transformation geschieht, braucht es deshalb ein Zusammenspiel von Innovation und dem Gegenteil: der Exnovation. Darunter wird das gezielte Beenden von Angeboten und Strukturen verstanden, das Raum schafft für Neues. Wichtig dabei ist die Einsicht, dass dieses Loslassen von Altem die Kräfte für Veränderung erst ermöglicht – ansonsten droht durch ein „immer mehr“ die Überforderung von Ressourcen und Mitarbeitenden.
Für den im kirchlichen Kontext ungeübten Umgang mit dem „Lassen“ sind ist dabei folgendes entscheidend:
Exnovation geschieht durch eine Konzentration auf das Wesentliche und auf das, was nachhaltig in die Zukunft führt. Leitend ist die Frage nach dem, was Kirche und Menschen brauchen, und nicht die vom defizitären Blick geprägte Frage nach dem, was „wir nicht mehr machen können“. Für mit dem Loslassen verbundene Trauerprozesse ist es sehr wichtig, wertschätzend mit der bisherigen Arbeit umzugehen und die Trauer auch zuzulassen. Zentral – auch für Mitarbeitende – ist dabei die Überzeugung, dass das „Lassen“ nicht bedeutet, dass die Arbeit schlecht war. Sondern vielmehr, dass jetzt einfach anderes gebraucht wird.
Exnovation ist deshalb kein Rückschritt, sondern ein notwendiger Prozess, um das Potenzial von Innovation und Veränderung voll auszuschöpfen.
Weiterführende Informationen:
Abschiede und Neuanfänge – eine Arbeitshilfe des ehemaligen ZMiR
EXMOVE – Aufhören / Anfangen ist eine umfassende Tool-Sammlung der Arbeitsstelle midi zum Thema Exnovation.
Dr. Sandra Bils
Referentin für strategisch-innovative Transformationsprozesse bei der Arbeitsstelle midi, Berlin