Von der Komm- zur Gehstruktur

Von einer Komm-Struktur spricht man, wenn eine Institution wie die Kirche so verfasst ist, dass die Menschen kommen müssen. Dies setzt voraus, dass diese Menschen auch kommen möchten – also die Institution kennen, dort etwas für sie positives erhalten und dementsprechend einen Drang haben, die Angebote von sich aus aufzusuchen.
Die kirchliche Komm-Struktur ist neutestamentlich unter anderem durch Jesus selbst geprägt, der Anziehungsort für die Menschen war und die Einladung, zu ihm zu kommen, auch viel in Reden und Gleichnissen genutzt hat. Viele kirchliche Traditionen und Handlungen beruhen auf dem Gedanken, dass Menschen sich bewusst auf den Weg machen müssen und dass kirchliche Gebäude für alle offen sind und jede*r eingeladen ist.

Im Gegensatz dazu spricht man von einer Geh-Struktur, wenn eine Organisation sich im Sinne einer aufsuchenden Arbeit von sich aus in fremde Kontexte begibt, um dort Kontaktflächen zu schaffen. Theologisch gesehen macht kirchliche Arbeit in der Geh-Struktur deutlich, dass durch Jesus Christus die Kirche schon bei und mit den Menschen ist und dort nur sichtbar gemacht werden muss. Neutestamentlich war vor allem Paulus auf diese Weise unterwegs, wenn er am Fluss, auf dem Marktplatz oder in den Privathäusern das Evangelium gepredigt hat.

Die gesellschaftlichen Veränderungen sprechen dafür, die Geh-Struktur in der Arbeit der Gemeinden zu stärken. Dies hat jedoch Auswirkungen z.B. auf den Gebäudebedarf.

Impulsfragen:

Wo sind wir in welcher Struktur unterwegs?

Wen erreichen wir dadurch – und wen nicht?

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