Kirchenkonzepte und Gebäude
Kirchliche Gebäude haben eine dienende Funktion. Das heißt, sie unterstützen Kirche dabei, Kirche zu sein und ihrem Auftrag zu folgen. Sie sind jedoch nicht für sich genommen theologisch begründbar. Vielmehr sind alle kirchlichen Gebäude Ausdruck und Folge bestimmter Kirchenmodelle bzw. Kirchenkonzepte und haben nur dadurch eine theologische Bedeutung.
Diese Kirchenkonzepte entstehen in einem historischen, gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Kontext und ändern sich deshalb im Lauf der Zeit. Bei einer Veränderung des Kirchenkonzepts können Gebäude an Bedeutung verlieren oder gewinnen:
- Im Zuge der Reformation wurden Klöster zu Schulen, Universitäten und Verwaltungsgebäuden.
- In der Gemeindebewegung im 19. Jahrhundert bekam das damals neuartige Gebäude „Gemeindehaus“ in Anlehnung an das säkulare Vereinshaus eine hohe Bedeutung als Ort des christlichen Lebens in Gemeinschaft.
Genau wie Strukturen sind auch Gebäude aus Sicht der Kirchenentwicklung variabel. Sie sind lediglich Scharniere zu den jeweiligen gesellschaftlichen Kontexten und müssen in einer lebendigen Kirche verändert werden, wenn die Gesellschaft sich wandelt.
Weiterführende Informationen:
Kirchentheorie in Stein (1) – pfarrerverband.de – Artikel von Steffen Schramm
Impulserzählung
In einem kleinen Dorf in Hohenlohe-Franken brauchten im 18. Jh. die wenigen Bauern für die Schweinezucht nur einen einzigen Eber. Keiner wollte diesen jedoch durchfüttern. Um Streit zu vermeiden, hielt der Pfarrer deshalb den „Dorfeber“, der regelmäßig die Sauen decken musste. Dafür bekam der Pfarrer als Ausgleich von jedem geschlachteten Schwein einen Anteil. Das für die Eberhaltung nötige Gebäude – Scheune mit Stall – ist noch heute im Besitz der Gemeinde, wird aber aufgrund veränderter Strukturen nicht mehr benötigt.